Nordisches Modell, Menschenwürde und politische Verantwortung
Korrespondenz mit der deutschen Bundestagspräsidentin Julia Klöckner

Während in Deutschland das Nordische Modell politisch diskutiert und vorangetrieben wird, herrscht in Österreich auffällige Funkstille. Auch der österreichische Nationale Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen (NAP) schweigt sich zu Prostitution aus – ausgerechnet zu jenem Bereich, in dem Gewalt, Ausbeutung und Abhängigkeit in besonders konzentrierter Form auftreten.
Vor diesem Hintergrund hat sich Terre des Femmes Österreich mit einer Gratulation und klaren politischen Einordnung an die deutsche Bundestagspräsidentin Julia Klöckner gewandt. Anlass war ihre deutliche öffentliche Haltung zur Prostitution und ihre Unterstützung des Nordischen Modells als menschenrechtlichem Ansatz.
Die Antwort der Bundestagspräsidentin ist bemerkenswert klar. Sie schreibt:
„Für mich geht es um eine Gewissensfrage: Prostitution ist nach meiner festen Überzeugung mit der Menschenwürde unvereinbar. Frauen, ihre Körper und ihre Sexualität sind keine Ware. Man kann sie nicht kaufen.“
Mit dieser Aussage benennt Julia Klöckner den Kern des Problems: das Kaufverhältnis. Ihre Haltung ist keine moralische Floskel, sondern eine bewusst getroffene politische Entscheidung, die aus dem Zentrum parlamentarischer Verantwortung heraus erfolgt.
Sie macht deutlich, dass sie ihr Amt nutzen will, um Gewalt gegen Frauen öffentlich zu benennen – auch dort, wo diese strukturell verankert ist.
Für Terre des Femmes Österreich ist diese Korrespondenz aus zwei Gründen von besonderer Bedeutung. Erstens zeigt sie, dass eine klare menschenrechtliche Position zur Prostitution auch auf höchster politischer Ebene möglich ist. Zweitens macht sie sichtbar, was in Österreich fehlt: politische Führung, dass es in Österreich an einer politischen Führung fehlt, die den Mut hat, genau auf diese Lücke hinzuweisen.
Der österreichische Nationale Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen erwähnt Prostitution mit keinem Wort – weder als Gewaltform noch als strukturelles Risiko. Diese Auslassung ist Diese Auslassung ist kein Zufall, sondern eine bewusste politische Entscheidung mit weitreichenden Folgen. Sie steht im Widerspruch zu europäischen Entwicklungen im Gewaltschutz und zu den erklärten Zielen von Gleichstellungspolitik.
Die Zuschrift von Terre des Femmes Österreich und die Antwort der deutschen Bundestagspräsidentin verdeutlichen diesen Gegensatz. Sie zeigen, dass das Nordische Modell kein radikaler Sonderweg ist, sondern ein menschenrechtlicher Sonderweg ist, der Verantwortung nicht den Betroffenen zuschreibt, sondern den Tätern: den Käufern.
Terre des Femmes Österreich wird diese politische Leerstelle weiterhin benennen – sachlich, beharrlich und öffentlich.
Die vollständige Korrespondenz hier als PDF nachlesbar. Für die Online-Veröffentlichung wird das freigegebene Porträtfoto von Julia Klöckner in Verbindung mit dem Logo von Terre des Femmes Österreich verwendet.
