Häusliche Gewalt und sexualisierte Unterdrückung von Frauen

Im eigenen Heim leben Frauen am gefährlichsten. Weltweit ist das so, auch in Österreich. Frauen fürchten sich daheim. Sie fragen sich: Wann wird die nächste Attacke kommen? Hat sie was falsches gesagt? Was denken ihre Kinder über sie, wenn der Mann sie schlägt? Dass sie nichts wert ist? Dass sie alle in Lebensgefahr sind?

Häusliche Gewalt ist die häufigste Ursache von Verletzungen bei Frauen: häufiger als Verkehrsunfälle und Krebs zusammengenommen. Für Frauen ist das Risiko, durch einen Beziehungspartner Gewalt zu erfahren, weitaus höher als von einem Fremden tätlich angegriffen zu werden. Bildung, Einkommen, Alter und Religionszugehörigkeit sind dabei völlig bedeutungslos.

In Österreich ist oder war schon jede vierte Frau Opfer von häuslicher Gewalt. Ihr eigenes Zuhause ist der gefährlichste Ort für eine Frau.

“Er hat gesagt, er hat nur zugeschlagen, weil ich zu laut war.”

Ulrike, 58 Jahre alt, Opfer von Gewalt und Mobbing**

Podcast über häusliche Gewalt 18 min

**Ulrike wurde ein Jahr lang psychisch gequält und geschlagen. Letztendlich gelang es ihr, sich zu trennen und Schutz im Frauenhaus zu bekommen. Trotzdem kämpft sie vorerst mit einem inneren Drang, zu ihm zurückzukehren. Viele Frauen erleben ähnliches. Es ist schwer, aus diesem Unterdrückungssystem herauszukommen und sich wieder selbstwirksam und wertvoll zu fühlen.

Der Feind im Heim

Frauen sind in ihrem Zuhause aber nicht nur von häuslicher Gewalt betroffen, sondern häufig auch zusätzlich oder ausschließlich von sexualisierter Gewalt. Zwei Drittel aller Vergewaltigungen finden – entgegen der öffentlichen Wahrnehmung – zuhause, im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz statt.

Nur wenige Täter üben sexualisierte Gewalt aufgrund einer psychischen Erkrankung aus. Die Meisten planen ihre Handlungen gezielt und sind sich darüber bewusst, was sie tun. Jede Frau und jedes Mädchen, gleichgültig wie alt oder attraktiv sie ist, welcher Nationalität oder Religion sie angehört, kann sexualisierte Gewalt erleiden. Diese Form der Menschenrechtsverletzung passiert in Österreich täglich: Jede siebte Frau musste in ihrem Leben schon einmal eine Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung erleben.

TDF Deutschland: Durch unsere Arbeit im Referat “Häusliche und sexualisierte Gewalt” machen wir die Öffentlichkeit auf diese drängenden Themen aufmerksam. Wir setzen uns für Gesetzesänderungen ein und vernetzen uns mit anderen Frauenorganisationen. Gemeinsam mit Unternehmen informieren wir Beschäftigte und sagen Nein zu häuslicher und sexualisierter Gewalt.

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